Die Ausbildung

Die Stuttgarter Schule

Unter der Trägerschaft der Handwerkskammer Stuttgart wurden im Bildungsakademie in Stuttgart-Weilimdorf, Holderäckerstraße 37 (Homepage der Bildungsakademie) -Unterrichts- und Werkstatträume eingerichtet. Die"Stuttgarter Schule" schafft die Grundlagen zum Erlernen alter Techniken, lehrt den historischen Hintergrund und prägt das Verständnis und die Begeisterung für die Restaurierung.

Den Lehrgangsteilnehmern stehen dort in den Holzwerkstätten modernste Holzbearbeitungsmaschinen, Dekupiersägen und Spezialformatkreissägen zur Verfügung. Der unterricht wird von hochqualifizierten Referenten gehalten. Dem Bildungszentrum ist eine Mensa angeschlossen. Auswärtige Kursteilnehmer können kostengünstig im Bildungszentrum wohnen. Unmittelbar neben dem Bildungszentrum befindet sich ein S-Bahn-Anschluss.

Die Fortbildung ist unterteilt in zwei Blöcke von jeweils ca. 200 Unterrichtsstunden. Voraussetzung für die Teilnahme am Block I ist die Gesellenprüfung und für Block II die Meisterprüfung im Parkettlegerhandwerk und eine mehrjährige Praxis als Parkettlegermeister. Jeder Block wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Die Teilnehmer erhalten nach erfolgreichem Abschluss ausser der Teilnahmebestätigung eine Urkunde:
Für Block I: Geprüfter Parkettleger für Restaurierungsarbeiten
Für Block II: Geprüfter Restaurator im Parkettlegerhandwerk.
Parkettleger-Gesellen können über das Arbeitsamt eine finanzielle Beihilfe beantragen.

Alle Absolventen, die den Lehrgang mit Erfolg zum Restaurator im Parkettlegerhandwerk abgeschlossen haben, können der Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren beitreten.
Entsprechend dem Lehrplan gliedert sich der Stoff für die Fortbildungsmassnahme zum Restaurator im Parkettlegerhandwerk im Bildungs- und Technologie-Zentrum in Stuttgart-Weilimdorf folgendermassen

Block I (für Gesellen und Meister) 200 Stunden

I Einführung

Entwicklung und Geschichte der Holzfussböden im Überblick

II Materialkunde

  1. Klebstoffe
    1. Klebstoffarten, Klebetechnik, Klebstoffauswahl unter besonderer Berücksichtigung historischer Klebstoffe
  2. Reparaturmassen, Kitte, Holz-Verfestigungsmittel, Holzersatzmassen, Holzkonservierung, Versuche, praktische Übungen in der Werkstatt:Oberflächenkorrekturen, Restaurierung von Fehlstellen, Beschädigungen
  3. Mittel zur Farb- und Strukturveränderung Beiz-, Färb-, Patinier- und Schattiermittel, Bemalen, Brennen, Skraffito, Ursprünge des Holzfärbens, praktisches Arbeiten im Labor
  4. Oberflächenbehandlungsmittel und Techniken u.a. Öle, Firnisse, Lacke, Wachse, historische Rezepte und Techniken, Versuche und praktische Übungen im Labor

III Holzkunde I

  1. Einführung in die Holzanatomie
    1. Holzaufbau, Gewebearten, Holzbestandteile, Merkmale, Grundeigenschaften und ihre folgen
  2. Holzschädlinge/Holzschutz
    1. Erkennen von tierischen und pflanzlichen Holzschädlingen, Einschätzung des Zerstörungsausmasses, natürlicher, konstruktiver, physikalischer und chemischer Holzschutz, Methoden der Bekämpfung, Sanierung

IV Unterkonstruktion

  1. Unterbodenaufbauten
    1. Grundkonstruktionen, Tragelemente, Holzverbindungen, Befestigungsmittel, Dämmstoffe, Möglichkeiten der Restaurierung, Sanierung
  2. Praktische Unterbodenrestaurierung
    1. Schäften, Aufrippen, Wechsel Unterbodenkonstruktion

V Oberboden, Holzfussboden

  1. Allgemeine Arbeiten
    1. Reinigungstechniken, Reinigungsmittel
    2. Verfestigen mit Kunstharzen, Ausspänen
    3. Übung: Restaurierung von Parkettafeln nach einem Wasserschaden
    4. Ausbauen, Katalogisieren, Kennzeichung, Lagerung
    5. Materialauswahl
    6. Konturübertragung, geometrische Grundlagen
    7. Vermessung, Abnahme und Übertragung von Vielecken, freien Winkeln, Kreisen, Ovalen, Segmentbögen, Ellipsen, Berechnungen
    8. Übung im Schloß Solitude: Abnahme und Übertragung eines zu restaurierenden Musterbodens
  2. Restaurierung von Dielen-, Langriemen-, Stab- und Tafelparkett
    1. Klärung der Begriffe Restaurierung, Konservierung, Instandsetzung, Rekonstruktion, Sanierung, Renovierung
    2. Praktische Übungen:
      Herstellung (Rekonstruktion) von Parkettafeln mit einschichtigem Aufbau:
      Rautenböden, Schweiffriesen mit mehrschichtigem Aufbau:
      Tafel mit eingelegtem Stern, eingelegten Bogenadern einschliesslich Herstellung der notwendigen Schablonen, Vorrichtungen und Lehren
  3. Restaurierung von Intarsienparkettböden
    1. Rekonstruktion einer Fries-Bordüre in der Blockmosaiktechnik
    2. Erstellung von Werkzeichnungen am Leuchttisch aus den Konturabnahmen des Intarsienbodens vom Schloß Solitude
    3. Rekonstruktion von Fragmenten der Blumenintarsien des Schlosses Solitude anhand der erstellten Werkzeichnungen, Dekupiersägeübungen n verschiedenen Einzel- und Doppelschnitt- Techniken
    4. Übungen zum Schattieren in heissem Sand
  4. Oberflächenbearbeitung
    1. Behandlung mit Fischhaut, Schmirgelleinen, Stahlspänen, Ziehklinge,  Hobel, Bürsten, Stubensand

VI Werkzeuginstandhaltung

  1. Maschinenkurs
    Handhabung, Wartung und Pflege moderner Holzbearbeitungsmaschinen
  2. Wartung, Instandhaltung und Pflege von Werkzeugen, Vorrichtungen, Lehren

Block II (für Meister) 200 Stunden

VII Kunst- und Kulturgeschichte

  1. Einführung in die Stilkunde
    Grundbegriffe der Kunstbetrachtung
  2. Wesen und Abhängigkeit der Stile
    Betrachtung von Architektur, Möbel, Parkett vom Altertum bis Heute im Wechsel
  3. Kunstgeschichtliche Exkursionen
    Altes Schloß in Stuttgart, Stiftskirche in Stuttgart, Schloß Ludwigsburg, Schloß Ingelfingen, Schloß Schillingsfürst, Schloß Neuenstadt, Schloß Rastatt, Schloß Favorite bei Rastatt, Schloß Mannheim, Weißenhofsiedlung, Schloß Monrepos


VIII Bestandsaufnahme/Dokumentation

  1. Bestandsaufnahme vor Ort
    Exkursion Schloß Ludwigsburg und weitere, unter VII genannte, Schlösser
    Erfassen und Belegen des Zustandes durch Dokumentation
    Umgang mit der Checkliste
  2. Begutachtung, Beurteilung und Wahl der angemessenen Restaurierungstechnik, Erstellung eines Massnahmenkataloges

IX Denkmalpflege/Denkmalschutz

  1. Wege im Umgang mit alter Bausubstanz
  2. Zuständigkeit der Behörden, Besichtigung von Kulturdenkmälern (in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde, Stadtplanungsamt der Stadt Stuttgart)
  3. Denkmalpflegerische Probleme bei der Erhaltung und Restaurierung von Holzfussböden

X Holzkunde II

  1. Holzanatomie Teil II
  2. Holzerkennung
    Methoden der makroskopischen und mikroskopischen Holzerkennung, praktische Holzerkennung mittels Lupe und Bestimmungsschlüssel der 50 wichtigsten Holzarten des Parkettrestaurators
  3. Holzchemie
    Chemische Eigenschaften der Holzhaupt- und Nebenbestandteile, freie OH-Gruppen;
    Holzkonservierungs-, Verfestigungsmittel, Firnisse, Lacke, Beizen, Farben, Gefahrstoffe
  4. Eigenschaften, Verarbeitung (Bezugsquellen von seltenen Hölzern)

XI Bauphysik

  1. Bedeutung, Ermittlung und Berechnung von Haushaltsfeuchte und Ausgleichsfeuchte
  2. Berechnen der Quell- und Schwindmasse
  3. Wärmeschutz/Feuchteschutz
    Dampfdiffusion, Taupunktberechnung, Auswirkungen des unsachgemässen Einbaus von Folien und anderen Dampfsperren in alte Bausubstanzen
  4. Schallschutz
    Luftschall, Körperschall, Trittschall und Schallschutzmassnahmen

XII Statik

  1. Grundbegriffe
  2. Mechanische Kennzahlen für Tragwerkstoffe, Verkehrslasten, zulässige Belastungen
  3. Durchbiegungsberechnung und Dimensionierung von historischen und neuen Unterkonstruktionen in Abhängigkeit des Balkenabstandes

XIII Kalkulation

  1. Besonderheiten der Kalkulation in der Parkett-Restaurierung, Ermittlung produktiver und unproduktiver Arbeitszeiten
  2. (Maschinen-) Stundensatzberechnung
  3. Beispiele fachbezogener Einzelkalkulationen
Fachgruppe der Parkettrestauratoren im Zentralverband Parkett- und Fußbodentechnik
Meckenheimer Allee 71 • 53115 Bonn • info@parkettrestauratoren.org